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Dick durch "falsche" Darmbakterien?

17. August 2009

Von: Von Theresa Rudlof und Franca Mangiameli /August 2009

Es ist unumstritten: Übergewicht resultiert aus einer positiven Energiebilanz. Die Ursache liegt auf der Hand – wer mehr isst als er verbrennt, deponiert die überschüssige Energie im Fettgewebe. Natürlich gibt es neben der überkalorischen Ernährung andere Faktoren, die die Fettbildung begünstigen. Hierzu zählen Bewegungsmangel, die genetische Veranlagung sowie Stoffwechselerkrankungen.  Neuere Erkenntnisse bringen jetzt sogar eine gestörte Darmflora mit der Entstehung von Übergewicht in Verbindung.
In der menschlichen Darmflora dominieren Bakterien der Gattung Firmicutes und Bacteroides. Wissenschaftler fanden in Untersuchungen heraus, dass die Bacteroides bei Übergewichtigen weniger auftreten, wohingegen der Firmicutesanteil vermehrt ist. Diese zeichnen sich durch eine besondere Eigenschaft aus: Sie können, die eigentlich unverdaulichen Ballaststoffe, besser verwerten als andere Bakterien, wobei Zucker und Fettsäuren entstehen, aus denen der Körper wiederum Fett aufbauen kann.
Dies zeigte auch eine Studie an Mäusen. Übertrugen die Forscher die Darmflora übergewichtiger Mäuse auf den keimfreien Darm normalgewichtiger Tiere, stieg deren Körperfettanteil an. Die Darmflora der übergewichtigen Tiere bildete vermehrt Fettsäuren (Acetat und Butyrat) aus Ballaststoffen. Diese Zwischenprodukte gelangen über die Darmschleimhaut in die Leber und dienen dort als Ausgangssubstanzen für die Fettbildung.


Können Ballaststoffe zur Kalorienbombe werden?

Ballaststoffe sind im Dünndarm unverdauliche Nahrungsbestandteile, die in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen und im Dickdarm teilweise oder vollständig fermentiert werden.
Im Verdauungstrakt erfüllen sie wichtige Funktionen: Sie regen den Darm an, beugen Verstopfung vor und wirken einer Reihe von Darmerkrankungen entgegen. Im Fettstoffwechsel wirken sie Cholesterinsenkend. Aber auch beim Abnehmen haben sie sich bisher als nützliche Helfer erwiesen, denn sie führen aufgrund ihrer Quellfähigkeit  zu einer Vergrößerung des Nahrungsvolumens und damit zu einer besseren Sättigung. Durch ihre längere Verweildauer im Magen helfen Ballaststoffe den Blutzuckerspiegel konstant zu halten und damit Heißhungerattacken zu vermeiden. Studien haben außerdem gezeigt, dass eine Zufuhr von 30 g Ballaststoffen pro Tag die tägliche Kalorienzufuhr um ca. 10 % zu senken vermag.
Aufgrund dieser positiven Nutzen im Rahmen der Gewichtsreduktion, werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag empfohlen. Inwieweit nun Ballaststoffe aufgrund der neuen Erkenntnisse bei übergewichten Personen mit „falscher“ Darmflora zur Kalorienbombe werden können und damit eher kontraproduktiv beim Abnehmen wirken, ist noch nicht endgültig geklärt und bedarf weiterer Forschung.
Gewichtsreduktion erhöht die Anzahl der „guten“ Bakterien!
Allerdings sollten diese Zusammenhänge nicht dazu verleiten, sein Übergewicht mit einer gestörten Darmflora zu rechtfertigen, denn wie Studien zeigten führte eine Gewichtsreduktion wieder zu einem Anstieg der „guten“ Bakterien im Darm. Darüber hinaus besteht auf diesem Gebiet weiterhin erheblicher Forschungsbedarf, um zu klären, ob die veränderten funktionellen Eigenschaften der Darmflora ausreichen, um die Entwicklung von Übergewicht zu erklären.


Literatur
[1] Bischoff StC. Darmflora und Probiotika bei Adipositas und metabolischem Syndrom. aus: Bischoff u. a., Probiotika, Präbiotika und Synbiotika. Georg Thieme Verlag KG; 2009
[2] DiBaise JK et al. Gut microbiota and its possible relationship with obesity. MayoClinProc. 2008 Apr; 83(4):460-9
[3] Bäckhed F et al. Mechanisms underlying the resistance to diet-induced obesity in germ-free mice. Proc Natl Acad Sci U S A. 2007 Jan 16; 104(3):979-84.
[4] Ley RE et al. Microbial ecology: human gut microbes associated with obesity. Nature. 2006 Dec 21; 444(7122):1022-3.
[5] Bäckhed F et al. The gut microbiota as an environmental factor that regulates fat storage. ProcNatlAcadSciUSA. 2004 Nov 2; 101(44):15718-23.

 

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